Wie funktioniert ein Techno-Club?

Der Datenschutz ist in der Winterpause, Bahnreisen gibt’s auch erst im Mai wieder – Zeit also, sich den wirklich wichtigen Themen im Leben zu widmen: Hast du dich eigentlich mal gefragt, wie ein Club funktioniert und wer festlegt, welcher Artist zu welcher Zeit auf welchem Floor auflegt? Nicht? Egal, ab ins Rabbit Hole! Die Wirklichkeit ist nämlich – wie so häufig – viel komplexer als gedacht.

Kleiner Disclaimer vorweg: Dieser Beitrag stellt nur meinen Einblick dar, jede Musikrichtung tickt anders und jeder Club sowieso. Insofern sollen die folgenden Zeilen dazu dienen, ein bisschen Verständnis mitzubekommen!

Fangen wir also an mit… – Überraschung – dem Club. Der hat nämlich eigentlich gar keine so präsente Rolle wie ihm häufig zugedacht wird. Oder besser gesagt: eine viel speziellere Rolle. Der Club ist in erster Linie dafür verantwortlich, Räumlichkeiten zu stellen. Dafür hat ein Club meistens irgendein runtergekommenes dunkles Gebäude, bestenfalls vielleicht mit einem schönen Garten drumrum. Neben der Vermietung dieses Kleinods für einen Abend ist der Club üblicherweise auch dafür zuständig, Personal an die Tür zu stellen, das mehr oder weniger erfolgreich für die Balance zwischen Gleichberechtigung und Exklusivität sorgt. Außerdem stellt der Club üblicherweise das Barpersonal und bekommt die Getränkeerlöse. Anders als die Eintritte, aber dazu später mehr. Zudem sorgt der Club dafür, dass das richtige Equipment (Mixer, Turntables, …) auf den Floors steht und dass Licht und Sound des nächstens auch tatsächlich funktionieren, um den Besucher:innen entspannt die Synapsen zu massiert. Zuletzt ist das Booking des Clubs dafür verantwortlich, Wochenende für Wochenende die hippesten Promoter als Mieter zu finden.

Damit sind wir auch schon bei der nächsten Partei: Dem Promoter. Der ist in der ganzen musikalischen Nahrungskette fast die unbekannteste Partei, da seine Arbeit größtenteils organisatorisch im Hintergrund abläuft. Dabei ist der Promoter der eigentliche Veranstalter eines Abends. Er (bzw. handelt es sich dabei eigentlich eher um ein ganzes Team) findet für eine bestimmte Veranstaltung den Club seiner Wahl, kümmert sich um ein adäquates Lineup (also die richtigen Artists + ihre „Reihenfolge“ auf den Floors), stellt ein passendes Catering (idealerweise nach Wünschen der Artists) und bewirbt die Veranstaltung quer durch die digitalen und analogen Medien unter dem Titel seiner Wahl. Im Gegenzug erhält der Promoter in der Regel die Ticket-Einnahmen des Abends. Dafür stellt er häufig das Kassenpersonal. Zuletzt gibt es für den Promoter eine Menge Organisation zu tun: Tickets und Übernachtungen für Artists buchen, Audio und Licht mit dem Club oder mit externen Lieferanten klären, Plakate und Flyer verteilen und jede Menge Vertragswerk bearbeiten.

Ab und zu fällt der Promoter zusammen mit unserer nächsten Partei: dem Label. Während die Promoter-Crew für die ganze Organisation eines Events zuständig ist, ist das Label die künstlerische Heimat der Artists. Veranstaltungsübergreifend sorgt das Label für einen bestimmten Stil und idealerweise dessen ständige Weiterentwicklung und Verfeinerung. Viele Labels scouten dazu permanent neue, junge und wilde Künsler:innen um sie dann als „Resident“ in ihren Dienst zu stellen. Zum Club kommt der Sound des Labels dann auf zwei Wege: Entweder einzelne Artists des Labels werden durch einen Promoter gebucht oder das Label tritt gleich selbst als Veranstalter auf und übernimmt für einen Abend oder ein Wochenende die Rolle des Promoters. Solche Veranstaltungen haben dann häufig den Titel des Labels – Ausnahmen bestätigen die Regel. Neben dem Auflegen bei Veranstaltungen sind Labels häufig auch damit beschäftigt, Tracks ihrer Residents in Form von LPs oder Kasetten zu vermarkten oder sie zumindest auf SoundCloud zu veröffentlichen oder auf Bandcamp zu verkaufen.

Nicht jeder Artist muss unbedingt Teile eines Labels sein. Je nach Bekanntheit kann sich ein Artist auch selbst vermarkten oder lässt das durch die nächste Rolle durchführen: Die Agency. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die das Management für einzelne Künstler:innen übernehmen: Die Absprache von Bookings, die Pflege des „Tech Riders“ und des „Press Kits“, ggf. das Buchen von Tickets und Übernachtungen und die Promo für die Künstler:innen des eigenen „Roasters“. Dafür verlangt die Agency bei einem erfolgreichen Booking üblicherweise eine Gebühr vom Promoter.

Nicht mehr viel sagen lässt sich nun – bezeichnenderweise – über die letzte Rolle im Business: Dem Artist. Ob ein Artist nun also tatsächlich an einem Abend in einem Club auflegt, hängt von vielen Parteien ab und nicht zuletzt auch, ob er oder sie Teil eines bekannten Labels oder einer bekannten Agency ist. Und dann ist das eigentliche Auflegen auch nur der kleinste Teil des Geschäfts. Den größten Teil stellt sicherlich das „diggen“ nach alten oder neuen Platten und Tracks dar oder das Arrangieren neuer Tracks für den nächsten Gig. Damit der gelingt, stellen die meisten Artists häufig einen „Tech Rider“ zur Verfügung, der auflistet, welche Decks, Mixer oder Controller der Artist braucht und welche Wünsche sonst an Sound und Licht gestellt werden.

Soweit der kleine Ausflug durch die Welt der Tanzmusik. Wer sich nun fragt, wie es denn sein kann, dass das Berghain doch ein eigenes Label hat, dem sei noch mitgegeben: Die hier dargestellten Rollen fallen häufig auch zusammen: Viele Clubs unterhalten neben dem eigentlichen Vermietgeschäft auch ein eigenes Label oder treten gelegentlich selbst als Promoter auf. Auf der anderen Seite veranstalten auch Labels (vielleicht auch Agencies?) eigene Veranstaltungen und werden damit zum Promoter. Oder DJs sind Resident eines Clubs und nutzen verschiedene Labels zur Veröffentlichung ihrer Tracks – Möglichkeiten so viele wie Techno-Subgenres…

Titelfoto: Pim Myten


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